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Fraumünster

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Die Fraumünsterkirche ist eine ehemalige Benediktinerabtei im Herzen von Zürich, die Mitte des 9. Jahrhunderts n. Chr. von Ludwig dem Deutschen und seinen Töchtern Hildegard und Bertha gegründet wurde. Das im Mittelalter bis zur Schweizer Reformation blühende Fraumünster hatte eine „kaiserliche Unmittelbarkeit“, die der Abtei einen privilegierten politischen und verfassungsmäßigen Status im Reichsfeudalrecht verlieh. So konnten die Äbtissinen von Fraumünster mit ungeheurer Macht handeln und regieren, unabhängig von allen außer dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Nach der Schweizer Reformation unter der Führung von Ulrich Zwingli wurde die Abtei Fraumünster 1524 n. Chr. aufgelöst und ihre letzte Äbtissin, Katharina von Zimmern, stellte Fraumünster unter die Kontrolle der Stadt Zürich. Das Fraumünster ist seit dieser Zeit eine schweizerisch-reformierte Stadtkirche. Die Kirche ist eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt und neben Grossmünster, Predigerkirche und St. Peterskirche ist das Fraumünster eine der ältesten und größten Kirchen in Zürich.

Legenden & mittelalterliche Geschichte

Am Westufer der Limmat etwa 180 m gegenüber dem Großmünster gelegen, wurde die Fraumünsterkirche 853 n. Chr. von Ludwig dem Deutschen (reg. 843-876 n. Chr.) gegründet. Der Legende nach lebten die beiden frommen Töchter Ludwigs, Prinzessin Hildegard (828-856 n Felix, Regula und Exuperantius im Großmünster Dom. Eines frühen Morgens, als die königlichen Schwestern ihren täglichen Besuch im Großmünster machten, sahen sie mitten im dunklen Wald einen weißen Hirsch mit brennendem Geweih. Die beiden Frauen folgten dem Hirsch, der sie direkt gegenüber dem Grossmünster ans Ufer der Limmat führte. Diese Begegnung wiederholte sich jeden Morgen, bis die Schwestern verstanden, dass Gott ihnen ein Zeichen gegeben hatte und beabsichtigt hatte, dass sie ein religiöses Heiligtum für Frauen am Ufer des Flusses beaufsichtigen sollten. König Ludwig war von den Geschichten seiner Töchter nicht ganz überzeugt, bis ein Seil vom Himmel fiel, um genau die Stelle zu markieren, an der mit dem Bau begonnen werden sollte. So leiteten König Ludwig, Hildegard und Betha den Bau der Fraumünsterkirche, und das Frauenduo wurde die erste Äbtissin der Abtei.

Ab dem 10. Jahrhundert n. Chr. erließen Fraumünster Äbtissinnen Regeln und Verfahren bezüglich der Zollvorschriften für Waren, die in Zürich eingeführt wurden, ernannten Stadtbürgermeister und prägten ihre eigenen Münzen.

Im Früh- und Hochmittelalter verwalteten die Äbtissinen von Fraumünster das Kloster, in dem viele Adelige aus Süddeutschland, der Schweiz und Österreich ihre Ordensgelübde ablegten. Diese Äbtissinnen übten jedoch bis ins 14. Jahrhundert n. Chr. immense Macht aus. Ab dem 10. Jahrhundert n. Chr. erließen sie Regeln und Verfahren für den Wareneingang von Zürich, ernannten Stadtbürgermeister, fungierten als Richter in Prozessen, organisierten Messen und prägten eigene Münzen. Ab dem 13. Jahrhundert n. Chr. wurde der Äbtissin sogar der Titel „Kaiserprinzessin“ verliehen. Die amtierende Äbtissin von Fraumünster war somit während des größten Teils des Mittelalters de facto Herrscherin der Stadt Zürich. Bemerkenswerte Äbtissinnen waren Mechthild von Tirol (reg. 1145-1170 CE), Judith von Hagenbuch (1229-1254 CE), Mechthild von Wünnenberg (1255-1269 CE) und Elisabeth von Wetzikon (1270-1298 CE). Erst im 14. Jahrhundert n. Chr. begannen die Zünfte Zürichs, durch die Einführung einer Zunftordnung auf Befehl von Rudolf Brun (ca. 1290-1360 n. Chr.) politische und wirtschaftliche Privilegien von der Äbtissin von Fraumünster zurückzuerlangen ), Zürichs erster unabhängiger Bürgermeister.

Obwohl es Brun gelang, den Einfluss der Fraumünster-Äbtissin auf die städtischen Angelegenheiten Zürichs einzuschränken, blieben die Äbtissin und die Fraumünster-Kirche bis zum 16. Jahrhundert n. Chr. recht einflussreich. Zürich entwickelte sich im Hoch- und Spätmittelalter zu einem wichtigen Wallfahrtsort, als die katholischen Gläubigen die Reliquien von St. Felix, St. Regula und St. Exuperantius auf dem Weg zu anderen Wallfahrtszentren wie Santiago de Compostela in Spanien, dem Vatikan besuchten in Rom, Italien, und die Benediktinerabtei in Einsiedeln, Schweiz, die nur 40 km (25 Meilen) südöstlich von Zürich liegt. Obwohl Fraumünster in ständiger Rivalität mit dem benachbarten Großmünster um die Kontrolle über die Reliquien der drei Schutzheiligen der Stadt stand, teilten die beiden Kirchen diese Reliquien und präsentierten diese Reliquien in einem aufwendigen städtischen Umzug, der jährlich am 11. September stattfand. (An diesem Tag ist das Fest der drei Heiligen; dieser Tag wird in der Stadt Zürich noch heute als Feiertag gefeiert.) Die beiden Kirchen wurden auch durch die Spenden von Pilgern aus ganz Europa unglaublich reich.

Protestantische Reformation & Neuzeit

1519 n. Chr. kam Ulrich Zwingli (1484-1531 n. Chr.) nach Zürich, um seine neue Tätigkeit als Pfarrer am Grossmünster zu beginnen. Obwohl er in eine Bauernfamilie hineingeboren wurde, war Zwingli ein gebildeter Mann, der sein Studium an der Universität Wien und der Universität Basel absolvierte. Die Ideen des niederländischen Philosophen Erasmus (1466-1536 n. Chr.) beeinflussten Zwingli stark, der die Überzeugung von Erasmus teilte, dass die Schriften in der eigenen Muttersprache im Gegensatz zu Latein liberal gelesen und gepredigt werden sollten. Schon bald nach seiner Ankunft in Zürich brach Zwingli mit der etablierten katholischen Tradition und predigte eine neue, radikale Auslegung der Evangelien. Zwingli löste mit behördlicher Genehmigung und Mitwirkung die Zürcher Klöster auf und beschlagnahmte die Besitztümer der verschiedenen Zürcher Kirchen und Klöster im Laufe von 1523-1524 n. Chr.

Seltsamerweise kannte Zwingli Fraumünsters letzte Äbtissin von Kindesbeinen an: Katharina von Zimmern (1478-1547 n. Chr.). Sie war eine weise Äbtissin gewesen, die für ihre Gelehrsamkeit und ihren geschickten Umgang mit den Finanzen der Abtei gelobt wurde. Von Zimmern (reg. 1496-1524 n. Chr.) widersetzte sich Zwinglis Reformation nicht und übergab Ende 1524 n. Chr. geschickt die Kontrolle über das Fraumünster an die Stadt Zürich. Sie blieb bis zu ihrem Tod eine Schlüsselfigur im politischen und gesellschaftlichen Leben Zürichs, doch das Fraumünster sollte eine evangelische Kirche werden, die für immer ihre frühere Eigenständigkeit verlor. Wie die anderen Kirchen, Abteien und Klöster des Kantons Zürich war Fraumünster von Zwinglis Reformeifer körperlich betroffen. Die gegenwärtige strenge Schlichtheit der Innenräume des Fraumünsters ist eine direkte Folge der Reformation Zwinglis. In den Jahren 1524 und 1525 n. Chr. entfernten Reformatoren Fraumünsters Altäre, Orgel und alle religiösen Ornamente. Verzierte Wände und Decken wurden weiß getüncht und die Buntglasfenster des Fraumünsters entfernt. Auch der Giebel der Kirche über dem Chor wurde entfernt und das Dach des Fraumünsters zum Walmdach umgebaut, das heute für Besucher sichtbar ist.

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Kunst & Architektur

Vor dem Bau des Fraumünsters existierten an der Stelle der heutigen Kirche keltische und römische Bauten. Im Gegensatz zum nahegelegenen Grossmünster hat Fraumünster seit dem ersten Kirchenbau im 9. Jahrhundert n. Chr. erhebliche Veränderungen in seiner Gestaltung und Struktur erfahren. Im Vergleich zum Großmünster spiegelt das Fraumünster durch den ständigen Bau und Umbau über die Jahrhunderte eher eine Hybridisierung von Romanik und Gotik wider. Im 11. Jahrhundert n. Chr. entstand ein großer Altarraum mit Chorapsis, der dem Fraumünster einen traditionellen kreuzförmigen Grundriss verlieh. Die Krypta aus dem 9. Jahrhundert n. Chr. unter dem neuen Chor wurde umgebaut und im 12. Jahrhundert n. Chr. wurde an der Südseite der Kirche ein romanischer Kreuzgang errichtet. Das Fraumünster wurde im 13. Jahrhundert n. Chr. etappenweise komplett umgebaut und der Altarraum maximal erweitert. Während wichtige mittelalterliche Bauten erhalten blieben – der romanische Chor und das hohe gewölbte Querschiff – wurde der Südturm des Fraumünsters im 18. Jahrhundert n. Chr. komplett abgetragen. Teile der Klosteranlage, darunter alte Wohngebäude der Stiftsdamen, wurden 1898 n. Chr. zerstört. Denkmalschützer renovierten 1911 das Kirchenschiff des Fraumünsters und verstärkten den Nordturm der Kirche, nachdem der Südturm über ein Jahrhundert zuvor entfernt worden war.

Fraumünster ist bekannt für die moderne Kunst und andere Kuriositäten in seinen Türen. Mehrere Fresken des Schweizer Künstlers Paul Bodmer (1886-1983 n. Chr.) illustrieren die Legende von der Gründung des Fraumünsters durch die Prinzessinnen Hildegard und Bertha sowie Porträts der Zürcher Schutzheiligen Felix und Regula. August Giacometti (1887-1947 n. Chr.) - Onkel des ebenso berühmten Schweizer Künstlers Alberto Giacometti (1901-1966 n. Chr.) - entwarf 1945 n. Chr. das Glasfenster im nördlichen Querschiff des Fraumünsters. Marc Chagall (1887-1985 n. Chr.) arbeitete ebenfalls im Fraumünster und entwarf in den 1970er Jahren neben der schönen Rosette von Fraumünster, die sich im südlichen Querschiff der Kirche befindet, fünf Glasfenster. Die Orgel des Fraumünsters ist mit 5793 Pfeifen die grösste im Kanton Zürich existierende Orgel.


Schau das Video: Fraumünster - Zürich (Juni 2022).


Bemerkungen:

  1. Daik

    Die Antwort sehr unterhaltsam

  2. Drefan

    Welche Worte ... super, tolle Idee

  3. Dusho

    Ehrlich gesagt sind die Kommentare hier viel unterhaltsamer als die Nachrichten selbst. (Natürlich keine Beleidigung für den Autor :))



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